Warum riecht Gummi?
Gummi riecht, weil flüchtige organische Verbindungen aus dem vulkanisierten Werkstoff entweichen können. Diese Verbindungen stammen aus dem Kautschuk, aus Weichmachern und Prozessölen sowie aus den Spaltprodukten der Vulkanisationschemikalien. Wie stark ein Gummiprodukt riecht, wird durch die Rezeptur, die Qualität der Rohstoffe, die Vollständigkeit der Vulkanisation und die Nachbehandlung bestimmt. Ein stark und anhaltend riechendes Gummiprodukt enthält in der Regel einen hohen Anteil flüchtiger Bestandteile, die bei der Herstellung nicht ausgetrieben wurden.
Woher kommt der typische Gummigeruch?
Der typische Gummigeruch entsteht hauptsächlich bei der Vulkanisation. Bei schwefelvernetzten Mischungen bilden sich schwefelhaltige Verbindungen und Rückstände der Vulkanisationsbeschleuniger. Bei peroxidvernetzten Mischungen entstehen beim Zerfall des Vernetzungsmittels flüchtige Spaltprodukte. Weitere Geruchsquellen sind Öle, Weichmacher, Alterungsschutzmittel und Rückstände aus der Kautschukherstellung. Besonders intensiv riechen Gummiprodukte, deren Mischungen einen hohen Anteil an Regenerat (aufbereitetem Altgummi) oder an aromatischen Mineralölen enthalten. Auch eine unvollständige Vulkanisation durch zu kurze Heizzeiten führt zu einem höheren Anteil unvernetzter und flüchtiger Bestandteile. Werden die Teile direkt nach der Herstellung ohne Tempern und ohne ausreichende Auslüftzeit luftdicht verpackt, sammeln sich die ausgasenden Stoffe in der Verpackung. Der Geruch tritt dann beim Öffnen konzentriert auf.
Warum riechen manche Gummiprodukte stärker als andere?
Neben Rezeptur und Verarbeitung bestimmt der Kautschuktyp den Geruch eines Gummiprodukts. Platinvernetztes Silikon (LSR) ist besonders geruchsarm, da bei seiner Vernetzung keine Spaltprodukte entstehen. Peroxidvernetztes EPDM riecht deutlich weniger als schwefelvernetztes, da keine Beschleunigerrückstände im Material verbleiben. Schwefelvernetzte Mischungen auf Basis von NR oder SBR weisen dagegen in der Regel den typischen Gummigeruch auf. Es gibt genormte Prüfverfahren, mit denen Geruch und Emissionen von Gummiteilen bewertet werden, etwa für den Einsatz im Fahrzeuginnenraum, in Haushaltsgeräten oder im Lebensmittelkontakt.
Was hilft gegen Gummigeruch?
Der Geruch eines Gummiprodukts nimmt mit der Zeit ab, da die flüchtigen Bestandteile kontinuierlich ausgasen. Lüften an einem warmen, gut belüfteten Ort beschleunigt diesen Vorgang, da Wärme die Ausgasung fördert. Direkte Sonneneinstrahlung sollte dabei vermieden werden, da UV-Strahlung die Alterung von Gummi beschleunigt. Oberflächlich anhaftende Rückstände lassen sich mit warmem Wasser und mildem Spülmittel entfernen. In der Herstellung erfüllt das Tempern denselben Zweck: Die Bauteile werden nach der Vulkanisation im Umluftofen nachgeheizt, flüchtige Bestandteile werden ausgetrieben und die Vernetzung wird vervollständigt. Riecht ein Gummiprodukt auch nach längerer Zeit stechend oder ist die Oberfläche klebrig, deutet das auf einen hohen Anteil an Ölen, Weichmachern oder unvernetzten Bestandteilen hin oder mangelhafte Verarbeitung hin. Geruch allein ist kein Nachweis für bedenkliche Stoffe.