Was ist Spritzgießen (Injection Molding)?
Spritzgießen (Injection Molding) ist ein etabliertes Verfahren zur Herstellung von Kunststoff- und Gummiteilen. Dabei wird das Rohmaterial plastifiziert, unter Druck in ein Werkzeug eingespritzt und dort ausgehärtet oder vulkanisiert.
Ablauf des Spritzgießprozesses für Gummi
- Zuführung des Rohmaterials: Rohmaterial wird zugeführt als Granulat (bspw. TPE), Strangmaterial (i.d.R. für Kautschuke) oder Flüssigkeit (bspw. LSR)
- Plastifizierung: Das Rohmaterial wird in der Plastifiziereinheit, üblicherweise ausgeführt mit Schnecke, durch Temperatur- und Scherbelastung plastifiziert und homogenisiert. Bei Kautschuk oder LSR wird nur wenig oder keine Temperatur eingebracht, um vorzeitige Vulkanisation zu verhindern.
- Schließen des Werkzeugs und Einspritzen: Das plastifizierte Material wird unter hohem Druck in das geschlossene Werkzeug eingespritzt und über das Kanalsystem in die Kavitäten geleitet
- Nachdrücken und Vulkanisieren: Je nach Material und gewünschtem Vernetzungsgrad wird das Material auf 120-220°C aufgeheizt, eine definierte Zeit gehalten und dabei vulkanisiert. Der Druck wird dabei aufrechterhalten, um
- Schrumpfung und Lufteinschlüsse zu verhindern.
- Öffnen, Entformen und Nachbearbeitung: Das Bauteil wird aus dem Werkzeug entnommen und i.d.R. nachbearbeitet, bspw. entgratet oder beschichtet
Vorteile:
- Kurze Zykluszeiten durch automatisierte Zyklusabläufe und paralleles Vorplastifizieren
- Effizienter Betrieb durch hohen möglichen Automatisierungsgrad
- Sehr gute Maßhaltigkeit und Reproduzierbarkeit, auch bei komplexen Bauteilen
- Sehr wenig Materialverlust, insbesondere bei Einsatz von Kaltkanalsystem
Nachteile:
- Verarbeitbare Materialvielfalt beschränkter als beim Formpressen
- Vergleichsweise hohe Werkzeugkosten
- Schwieriges Handling von Einlegeteilen
Verarbeitete Materialien:
- Thermoplastische Elastomere (TPEs): Kunststoffe, die bei Rautemperatur flexibel und elastisch sind, bei Erwärmung aber wie Thermoplaste verformt werden können
- Kautschuke inkl. Festsilikonkautschuk: Gut geeignet sind insbesondere EPDM, NBR, SBR, VMQ, CR oder FKM. Weniger gut geeignet hingegen sind NR, BR, HNBR, IR oder IIR
- Flüssigsilikon (LSR): Flüssig vorliegendes Rohmaterial, das nicht mehr plastifiziert werden muss, sondern vor dem Einspritzen lediglich homogenisiert wird
Typische Anwendungen:
- Spritzgießen ist ein Standardverfahren in der Gummiproduktion. Es ist die richtige strategische Wahl besonders bei
- großen Serien, bei denen kurze Zykluszeiten und hohe Effizienz wichtig sind
- besonders hohen Anforderungen an Maßhaltigkeit und Reproduzierbarkeit
- Materialien, die beim Formpressen nicht (wirtschaftlich) verarbeitbar sind, wie TPE oder LSR