Was sind Gehäuse und Deckel mit integrierter Dichtung?

Gehäuse und Deckel mit integrierter Dichtung sind Hybridbauteile, bei denen das Dichtungselement fest mit dem Gehäusekörper oder dem Deckel verbunden ist. Dies wird meist durch Umspritzung, Vulkanisation oder Formeinlage realisiert. Dadurch entsteht eine dauerhafte, einbaufertige Einheit, die sowohl den mechanischen Schutz als auch die Abdichtung von Komponenten sicherstellt. Das Prinzip basiert auf der Kombination eines Gehäuses aus Metall oder Kunststoff mit einem elastischen Dichtelement aus Gummi, Silikon oder TPE. Während das Gehäuse die Stabilität, Wärmeableitung oder Schutzfunktion übernimmt, sorgt die integrierte Dichtung für Medientrennung und Dichtheit, bei entsprechender Auslegung auch unter Druck.

 

Vorteile gegenüber herkömmlichen Lösungen mit separaten Dichtungen:

  • Keine manuelle Montage von Dichtungen notwendig
  • Fehlerfreie Positionierung und gleichmäßige Anpressung
  • Reduzierte Leckagerisiken durch unlösbare Verbindung
  • Kompaktere Bauweise und geringere Stückkosten bei Serienfertigung

 

Diese Bauweise wird zunehmend in technischen Systemen eingesetzt, in denen Zuverlässigkeit, Dichtheit und Automatisierbarkeit im Vordergrund stehen, wie in Sensoren, Steuergeräten, Pumpengehäusen oder Ventileinheiten.

 

Funktionen & Anwendungen von Gehäuse und Deckeln mit integrierter Dichtung

Gehäuse und Deckel mit integrierter Dichtung übernehmen mehrere Aufgaben gleichzeitig und vereinen Schutz-, Dicht- und Strukturfunktionen in einem einzigen Bauteil. Durch die Verbindung von formstabilen und elastischen Werkstoffen entsteht eine kompakte, zuverlässige und montagefreundliche Lösung mit hohen Sicherheits- und Qualitätsstandards:

  • Abdichtung gegen Flüssigkeiten, Gase und Staub nach definierten IP-Schutzklassen (z. B. IP65–IP69K)
  • Mechanischer Schutz empfindlicher Komponenten vor Stößen, Schmutz oder Korrosion
  • Druckbeständigkeit in hydraulischen oder pneumatischen Anwendungen
  • Vibrations- und Geräuschdämpfung durch elastische Dichtungselemente
  • Kompensation von Toleranzen zwischen Gehäuse und Deckel
  • Erleichterte Montage und Wartung durch vormontierte, dauerhafte Dichtsysteme

 

Typische Anwendungen:

  • Elektronik und Sensorik: Gehäuse für Steuergeräte, Steckverbindungen oder Sensoren
  • Fahrzeugtechnik: Motorgehäuse, Abdeckungen, Batteriemodule oder Lichtgehäuse
  • Maschinen- und Anlagenbau: Pumpen-, Ventil- und Hydraulikgehäuse mit integrierter Dichtfunktion
  • Medizintechnik: sterile und druckdichte Gehäuse mit Silikondichtungen
  • Energie- und Gebäudetechnik: wetterfeste Anschlusskästen und Abdeckungen für elektrische Anlagen

 

Bauteile & Materialien von Gehäuse und Deckeln mit integrierter Dichtung

Die Materialauswahl und Verbindungstechnologie bestimmen die Funktionalität und Lebensdauer von Gehäusen und Deckeln mit integrierter Dichtung. Ziel ist es, eine dauerhafte, elastische und medienbeständige Abdichtung bei gleichzeitiger mechanischer Stabilität zu gewährleisten.

 

Metalle:

  • Aluminium: leicht, korrosionsbeständig, gute Wärmeableitung
  • Edelstahl: robust, hygienisch und chemisch beständig
  • Stahl: hohe Festigkeit, häufig beschichtet, verzinkt oder vernickelt

 

Kunststoffe:

  • PA (Polyamid): stabil, temperatur- und chemikalienbeständig
  • PBT (Polybutylenterephthalat): formstabil, elektrisch isolierend
  • PP (Polypropylen): leicht, medienresistent, wirtschaftlich
  • PC (Polycarbonat): schlagfest, transparent, für Sichtgehäuse
  • ABS: kosteneffizient, gute Formtreue für Innenanwendungen

 

Elastomerkomponenten für die integrierte Dichtung:

  • NBR (Nitrilkautschuk): ölbeständig, geeignet für Hydraulik- und Maschinenanwendungen
  • EPDM: witterungs-, ozon- und dampfbeständig, für Außen- und Wasseranwendungen
  • Silikon (VMQ): hohe Temperaturbeständigkeit, flexibel, hygienisch und langlebig
  • FKM (Viton®): chemisch resistent, für aggressive Medien und Hochtemperaturbereiche
  • TPE (Thermoplastische Elastomere): recyclingfähig, ideal für 2K-Spritzguss mit Kunststoffgehäusen

 

Damit vulkanisierte Gehäusekomponenten ihre Dichtwirkung dauerhaft behalten, werden sie konstruktiv so ausgelegt, um Montage, Dichtverhalten und Stabilität zu optimieren:

  • Umlaufende Dichtlippen oder Dichtprofile, die direkt in den Deckel oder das Gehäuse integriert sind
  • Formschlüssige Geometrien zur Vermeidung von Ablösungen bei Druckbelastung
  • Belüftungs- oder Ausgleichselemente zum Druckausgleich bei Temperaturänderungen
  • Abgerundete Übergänge zur gleichmäßigen Druckverteilung und zur Vermeidung von Spannungsspitzen