Was sind Dichtungen?

Dichtungen sind mechanische Elemente, die zwei oder mehr Bauteile gegeneinander abdichten, um den Austritt oder Eintritt von Medien wie Öl, Wasser, Luft, Gas oder Chemikalien zu verhindern. Sie übernehmen eine zentrale Rolle in technischen Systemen, da sie Funktionssicherheit, Lebensdauer und Effizienz von Anlagen gewährleisten.

Das Wirkprinzip einer Dichtung beruht auf dem Erzeugen eines geschlossenen Systems zwischen den abzudichtenden Flächen. Unter Druck wird das elastische Dichtungsmaterial verformt und passt sich den mikroskopischen Unebenheiten der Kontaktflächen an – so entsteht eine dichte Barriere.

Dichtungen lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen:

  • Statische Dichtungen: unbewegte Dichtstellen, z. B. Flanschverbindungen oder Gehäusedeckel.
  • Dynamische Dichtungen: abdichtende Elemente bei relativer Bewegung, z. B. Wellendichtringe oder Kolbendichtungen.

 

Funktionen & Anwendungen von Dichtungen

Die Hauptfunktion einer Dichtung besteht darin, Medien sicher zu trennen oder einzuschließen. Darüber hinaus dienen Gummidichtungen häufig auch der Geräuschreduzierung, Vibrationsisolierung und der thermischen Trennung.

Typische Einsatzgebiete sind:

  • Maschinen- und Anlagenbau: Abdichtung von Hydraulik-, Pneumatik- und Kühlsystemen
  • Automobilindustrie: Motor-, Getriebe- und Karosseriedichtungen zur Vermeidung von Öl- oder Kraftstoffaustritt
  • Medizintechnik: sterile Abdichtung von Fluid- oder Luftwegen
  • Elektrotechnik: Schutz empfindlicher Bauteile vor Feuchtigkeit oder Staub
  • Gebäudetechnik: Fenster-, Tür- und Rohrleitungsdichtungen zur Energieeinsparung und Schalldämmung
  • Chemische Industrie: Abdichtung von Reaktoren, Pumpen und Armaturen gegen aggressive Medien

 

Dichtungen erfüllen mehrere technische Aufgaben gleichzeitig:

  • Abdichtung gegen Druck und Temperaturunterschiede
  • Kompensation von Toleranzen und Bauteilbewegungen
  • Reduktion von Reibung und Verschleiß an Kontaktflächen
  • Sicherung der Funktionsfähigkeit über lange Betriebszeiten

 

Je nach Anforderung werden Dichtungen als einfache Flachringe, komplexe Profilformen oder kundenspezifische Elastomerkomponenten ausgeführt. Die korrekte Auswahl und Auslegung sind entscheidend, um Leckagen, Ausfälle oder Folgeschäden zu vermeiden.

 

Bauteile & Materialien von Dichtungen

Dichtungen können aus einer Vielzahl von Materialien gefertigt werden – abhängig von Medium, Druck, Temperatur und chemischer Beständigkeit. Die Auswahl des richtigen Werkstoffs bestimmt die Leistungsfähigkeit und Lebensdauer der Abdichtung:

  • NBR (Nitrilkautschuk): Öl- und kraftstoffbeständig, weit verbreitet in der Hydraulik
  • EPDM: Witterungs-, ozon- und dampfbeständig, für Anwendungen in Wasser- und Heizsysteme oder im Outdoorbereich
  • FKM (Viton®): Beständig gegen hohe Temperaturen und aggressive Medien
  • Silikon (VMQ): Hohe Elastizität über einen weiten Temperaturbereich, häufig in der Lebensmittel- und Medizintechnik
  • Thermoplastische Kunststoffe: PTFE (Teflon®), POM oder PE für reibungsarme und chemisch resistente Dichtsysteme
  • Metallische Dichtungen: Aluminium, Messing oder Edelstahl für Hochdruck- und Hochtemperaturanwendungen
  • Verbundmaterialien: Kombinationen aus Metallträgern und Elastomerschichten zur verbesserten Formstabilität

 

Dichtungen werden typischerweise im Spritzguss-, Press-, Extrusions– oder Stanzverfahren hergestellt. Durch individuell abgestimmte Materialkombinationen können Dichtungen auch für extreme Einsatzbedingungen wie Temperaturen bis über 200 °C, Vakuumanwendungen und Hochdrucksysteme ausgelegt werden.