Was ist ein Dichtsitz?
Ein Dichtsitz ist der Teil eines Ventils, Hahns oder einer Armatur, der die eigentliche Dichtfläche bildet. Er sorgt dafür, dass bei geschlossener Stellung kein Medium mehr durchströmt und bei geöffneter Stellung ein kontrollierter Durchfluss möglich bleibt. Der Dichtsitz bildet somit die zentrale Funktionsfläche eines jeden Absperr- oder Regelorgans. Das Funktionsprinzip beruht auf dem engen Kontakt zwischen Dichtsitz und Schließelement (z. B. Ventilteller oder Kugel).
Durch die Anpresskraft entsteht eine nahezu hermetische Abdichtung. Der Sitz muss so beschaffen sein, dass er dauerhaft den Druck- und Temperaturbelastungen des Mediums standhält, ohne seine Form oder Oberflächengüte zu verlieren:
- Hohe Maßgenauigkeit und Oberflächenqualität (oft Ra < 0,4 µm)
- Beständigkeit gegen Abrieb, Erosion und chemische Einflüsse
- Optimale Materialpaarung zwischen Sitz und Dichtelement
- Geringer Verschleiß und reproduzierbare Dichtwirkung über viele Schaltzyklen
Dichtsitze sind in nahezu allen Systemen mit Strömungs- oder Druckregelung verbaut – von industriellen Großarmaturen bis zu kleinsten Ventilen in der Medizintechnik.
Funktionen & Anwendungen von Dichtsitzen
Die Hauptfunktion eines Dichtsitzes besteht darin, den Durchfluss eines Mediums zuverlässig zu trennen oder zu regulieren. Durch präzise Fertigung und passgenaue Paarung mit dem Schließelement wird der Übergang zwischen offener und geschlossener Position kontrolliert. Dabei wird eine dichte, dauerhafte Trennlinie geschaffen, die selbst bei hohen Drücken und aggressiven Medien Leckagefreiheit gewährleistet.
Funktionen im Überblick:
- Abdichtung: vollständiger Verschluss bei geschlossenem Ventilzustand
- Regelung: kontrollierte Durchflussbegrenzung bei Teillast oder Stellbetrieb
- Sicherung: Druckbegrenzung oder Rückschlagschutz in sicherheitsrelevanten Systemen
- Medientrennung: Verhinderung von Vermischung unterschiedlicher Fluide oder Gase
Bauteile & Materialien von Dichtsitzen
Dichtsitze bestehen aus Materialien, die einer Kombination aus mechanischem Druck, chemischer Belastung und Temperaturbeanspruchung standhalten müssen. Häufig sind sie integraler Bestandteil des Ventilgehäuses oder als austauschbare Sitzringe ausgeführt.
Metallisch dichtende Sitze für hohe Drücke und Temperaturen (z. B. Dampf, Gas, Öl) werden durch Drehen, Schleifen oder Läppen gefertigt, um eine definierte Kontaktgeometrie zu erreichen:
- Edelstahl: korrosions- & temperaturbeständig, bildet den Standard für viele Industrieventile
- Messing: gute Bearbeitbarkeit und Wärmeleitfähigkeit und wird häufig in Wasser- und Heizsystemen eingesetzt
- gehärtete Stähle oder Hartmetalle: hohe Verschleißfestigkeit bei abrasiven Medien oder hohen Drücken
- Bronze: beständig gegen Meerwasser und Kavitation
Weichdichtende Sitze kombinieren metallische Träger mit Gummi. Dabei wird der Werkstoff häufig direkt in das Ventilgehäuse vulkanisiert, um Formschluss und Haftung zu optimieren.:
- NBR (Nitrilkautschuk): öl- und kraftstoffbeständig, ideal für Hydraulikventile
- EPDM: resistent gegen Wasser, Dampf und Ozon, geeignet für Luft- und Trinkwasseranwendungen
- FKM: chemisch resistent, hohe Temperaturbeständigkeit bis 200 °C
- Silikon (VMQ): hervorragende Elastizität über großen Temperaturbereich, oft in Medizintechnik