Was ist Copolymerisation?

Die Copolymerisation ist ein Verfahren der Polymerchemie, bei dem zwei oder mehr unterschiedliche Monomere gemeinsam polymerisiert werden, um ein Polymer mit maßgeschneiderten Eigenschaften zu erzeugen. Im Gegensatz zur Homopolymerisation (bei der nur ein Monomer reagiert) ermöglicht die Copolymerisation, die Vorteile verschiedener Monomere in einem Material zu vereinen und gezielt auf die Anforderungen einer Anwendung abzustimmen.

 

Prinzip & Reaktionsarten von Copolymerisation

Bei der Copolymerisation werden die Monomere in einem definierten Mengenverhältnis im Reaktor gemeinsam umgesetzt. Die Reaktion wird – je nach Mechanismus – durch radikalische oder ionische Initiatoren bzw. bei der Koordinationspolymerisation durch Katalysatoren (z.B. Ziegler-Natta-Systeme) initiiert. Dabei entstehen Polymerketten mit unterschiedlichem Aufbau:

  • Alternierende Copolymere: Einzelne Monomere wechseln sich in der Polymerkette ab
  • Statistische Copolymere: Die Monomere sind zufällig verteilt, wie bei Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR)
  • Blockcopolymere: Längere Sequenzen eines Monomers wechseln sich mit Sequenzen des anderen ab, was oft zu Phasenseparation und besonderen Materialeigenschaften führt
  • Pfropfcopolymere: Die Hauptkette besteht aus einer Hauptkette aus einem bestimmten Monomer, während die Seitenketten durch ein anderes Monomer gebildet werden. Ein Beispiel ist Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) bei dem ein Polybutadien-Grundgerüst mit Styrol- und Acrylnitril-Seitenketten zur Schlagzähmodifikation gepfropft wird

 

Einflussfaktoren von Copolymerisation

Durch die Auswahl der Monomere und ihr Mischungsverhältnis lassen sich Härte, Elastizität, chemische Beständigkeit, Temperaturverhalten oder Transparenz gezielt einstellen. So verleiht Acrylnitril in NBR dem Material eine hohe Ölbeständigkeit, während Butadien die Flexibilität erhöht. In der Elastomerherstellung ist die Copolymerisation ein zentrales Werkzeug, um die Balance zwischen verschiedenen Eigenschaften wie z.B. mechanischer Festigkeit und Medienresistenz zu optimieren.

 

Industrielle Bedeutung von Copolymerisation

Copolymere finden sich in nahezu allen technischen Bereichen: von Reifen (SBR, EPDM) über technische Dichtungen (NBR, HNBR) bis hin zu Hochleistungskunststoffen (ABS, PBT/ASA). In vielen Fällen ermöglicht erst die Copolymerisation die Herstellung von Werkstoffen, die sowohl die mechanischen als auch die chemischen Anforderungen moderner Anwendungen erfüllen.