Was sind Azo- und Harnstoffverbindungen?

Azo- und Harnstoffverbindungen sind spezielle chemische Vernetzungs- und Treibmittel, die in der Gummi- und Kunststofftechnik unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden – etwa bei der Herstellung von geschäumten Bauteilen oder bei der Vernetzung von Elastomeren in sensiblen Anwendungen. Sie ermöglichen gezielte Strukturveränderungen im Polymer bei gleichzeitig niedrigen Reaktionstemperaturen.

 

Azo-Verbindungen: thermisch aktivierte Treibmittel

Azo-Verbindungen (z.B. Azodicarbonamid, kurz ADC) zersetzen sich bei Erwärmung und setzen dabei Stickstoffgas frei. Sie werden primär als chemische Treibmittel verwendet, um Zellstrukturen in Schaumstoffen zu erzeugen. Einsatzgebiete:

  • Elastomer- und Kunststoffschäume (z.B. TPE-Schaum, EVA-Schaum)
  • Dämmstoffe, Griffe, Polsterteile
  • Gummiartikel mit Gewichtsreduktion oder weicher Haptik

 

Neben der Aufschäumung kann die thermische Zersetzung auch die Vernetzung aktivieren, etwa in Kombination mit Peroxiden.

 

Harnstoffverbindungen: steuerbare Vernetzer

Harnstoffverbindungen wie Hexamethylentetramin (Hexa) dienen als latente Vernetzer für bestimmte Elastomere und Harzsysteme. Sie werden in speziellen Phenolharz-vernetzten Compounds verwendet, beispielsweise für:

  • Faserverstärkte Gummikomponenten
  • Reibbeläge, Bremsbeläge, Kupplungsscheiben
  • Bauteile mit thermisch-chemischer Belastung

 

Solche Systeme sind eher in spezialisierten Anwendungen oder Nischenbranchen zu finden. Zum Beispiel in Reibbelägen, bei reibungsaktiven Gummi-Materialien oder in Gummi-Gewebe-Verbundteilen. Harnstoffverbindungen ermöglichen langsame, steuerbare Vernetzungsreaktionen, was sie für komplexe Prozessfenster interessant macht.