Was ist Ausgasung?

Ausgasung beschreibt das Freisetzen flüchtiger Bestandteile aus einem Material in die Umgebung. Bei Elastomeren und Kunststoffen können dies Weichmacher, Restmonomere, Lösungsmittel oder andere niedermolekulare Stoffe sein. Die Ausgasung kann unmittelbar nach der Herstellung oder erst im späteren Einsatz auftreten und beeinflusst je nach Anwendung die Materialeigenschaften oder die Umgebung, in der das Bauteil eingesetzt wird.

 

Einflussfaktoren bei Ausgasung

Ausgasung tritt vor allem auf bei:

  • Materialzusammensetzung: Mischungen mit Weichmachern, flüchtigen Additiven oder niedermolekularen Bestandteilen gasen stärker aus
  • Vernetzungsart: Additionsvernetzende Silikone (z. B. LSR) erzeugen kaum Nebenprodukte, während vernetzte Elastomere geringe Restabbauprodukte freisetzen können
  • Zu hoch dosierte Zusätze: Übermäßige Additive oder Weichmacher können sich nicht vollständig in die Polymermatrix einlagern und dadurch verstärkt ausgasen
  • Temperatur: Erhöhte Temperaturen beschleunigen die Abgabe flüchtiger Bestandteile
  • Vakuum/Unterdruck: Unter verringertem Druck können flüchtige Moleküle leichter aus dem Material herausdiffundieren

 

Problematik von Ausgasung

  • Kontamination empfindlicher Komponenten: Ablagerungen auf Sensoren, optischen Oberflächen oder Leiterplatten können Messfehler, Signalstörungen oder optische Beeinträchtigungen verursachen
  • Störungen in Vakuumanwendungen: Unter Vakuum diffundieren Stoffe besonders schnell aus dem Material und verunreinigen die Umgebung
  • Geruchs- und Emissionsprobleme: Ausgasende Stoffe können unerwünschte Gerüche oder wahrnehmbare Emissionen erzeugen
  • Hygiene- und Sicherheitsrisiken: In Anwendungen mit Lebensmittel- oder Körperkontakt können ausgasende Stoffe zu sensorischen Veränderungen oder Kontamination führen

 

Prävention von Ausgasung

  • Tempern oder Vortrocknen der Teile, um Restbestandteile gezielt ausgasen zu lassen, bevor das Bauteil in den Einsatz gelangt
  • Einsatz ausgasungsarmer Elastomere wie additionsvernetzte Silikone (z. B. LSR) oder hochwertiger VMQ– und FKM-Qualitäten
  • LABS-freie Compounds für Lackieranwendungen
  • Überdosierte oder schlecht eingebundene Füllstoffe vermeiden, da sie verstärkte Ausgasung verursachen können